Philipp Franz von Siebold

Philipp Franz von Siebold 1832, im Alter von 36 Jahren
Philipp Franz von Siebold 1832, im Alter von 36 Jahren

Der Würzburger Arzt Philipp Franz von Siebold (*1796, †1866) stammte aus einer Mediziner-Dynastie. Schon Siebolds Vater und Großvater waren hervorragende Chirurgen, die vor allem im Krieg gegen das revolutionäre Frankreich als Militärärzte auf dem Schlachtfeld Großes geleistet hatten. Doch sie standen in Würzburg gesellschaftlich nie in hohem Ansehen, weil man Chirurgen für einfache ‚Metzger‘ hielt. Dabei waren sie vielmehr Wissenschaftler und Forscher, wie ihr jüngster Spross, der im Alter von 27 Jahren als Truppenarzt der holländischen Armee nach Batavia in Niederländisch-Ostindien (heutiges Indonesien) aufbrach, um kurz darauf nach Japan weiterzureisen.

 

Siebold lebte von 1823 bis 1830 im damals von der Welt abgeschotteten Kaiserreich und heiratete eine junge Japanerin, mit der er eine Tochter hatte. Sie sollte später die erste Ärztin in Japan werden. Als entdeckt wurde, dass Siebold eine große Menge verbotener Objekte aus Japan hinausschmuggeln wollte, vor allem streng geheime Landkarten des Inselreichs – die gefährlichen Gewässer und die unbekannten Verläufe der schroffen Felsküsten des Landes waren bis dahin eine natürliche Verteidigung gegen ausländische Angriffe – wurde ihm und seinen über fünfzig Helfern ein Prozess gemacht, der das ganze Land erschütterte. In seinem Fall lautete das Urteil ewige Verbannung. Er musste seine Frau und ihre gemeinsame Tochter zurücklassen.

 

Siebolds Abschiedsbrief an seine Frau Otaki (Kurtisanenname Sonogi) aus Batavia

 

„Liebe Sonogi, meine kluge Frau,

wenn Du meinen Brief erhältst, bin ich bereits in den Niederlanden. Ich war schwer erkrankt durch die schrecklichen Ereignisse und die Trennung von dir und Ine. Irgendwann muss ich euch wiedersehen, euch, die ich mehr als alles liebe.  Jedes Jahr werde ich dir und Ine ein schönes Präsent schicken, und solange ich lebe, werde ich für euch sorgen. Ich hoffe, dass du zufrieden und glücklich leben darfst und mich nie vergisst. Lebt wohl. Gott schütze euch.“  

 

Nach seiner Rückkehr 1830 widmet er sich der wissenschaftlichen Auswertung der riesigen Sammlungen von japanischen Natur-, Kunst- und Kulturgütern. Die von ihm importierten Pflanzen werden in unzähligen europäischen Gärten und Gewächshäusern heimisch. Er verkehrt mit allen bedeutenden Wissenschaftlern seiner Zeit, entwickelt erste Konzepte für ethnographische Museen und engagiert sich in Berlin, Paris, London, Moskau und Washington mit Nachdruck für eine friedliche Öffnung Japans. In Kissingen lernt er 1845 auf einer Kur seine zweite Frau Helene von Gagern kennen, mit der er vier Kinder haben wird. Um 1850 wird er auf die amerikanischen Pläne für eine bewaffnete Japan-Expedition aufmerksam, weil  Matthew Perry, der Commodore der US-Marine, sich Kopien von Siebolds geschmuggelten Karten beschafft. Siebold beeilt sich, die Russen zu einer Friedensmission nach Japan zu bewegen, um den Amerikanern zuvorzukommen. Bereits im Frühjahr 1853 bricht Viezadmiral Putjatin nach Japan auf. Siebold verfolgt mit größter Sorge die weitere Entwicklung und ist entsetzt, als ihn die Nachricht erreicht, dass eine Flotte von amerikanischen Kriegsschiffen  in der Bucht von Edo eingelaufen ist. 

 

Commodore Perry zwingt die Japaner unter Androhung von Waffengewalt, die Konvention von Kanagawa zu unterzeichnen. Siebold versteht sofort, dass sie noch nicht die 'Öffnung' des Landes bedeutet, denn der Vertrag tangiert nicht die Sakoku-Edikte zu Abschließung des Landes und enthält vor allem kein Handelsabkommen. Erst der Vertrag von Shimoda, den die Russen unter dramatischen Umständen, aber im Geist der Völkerfreundschaft mit den Japanern schließen, öffnet das Land und anulliert nach über zweihundert Jahren die Sakoku-Edikte. In Japan weiß man, dass Siebold hinter der russischen Initiative steht und das Verbannungsurteil gegen ihn wird aufgehoben. Er kehrt nach Japan zurück und wird als Berater des Shoguns und des ersten japanischen Außenministers nach Edo berufen. Dort kann er mit knapper Not einen Krieg Englands geben Japan verhindern, doch die niederländische Botschaft beklagt sich bei der japanischen Regierung, dass sie Siebold, einem Privatmann ohne politisches Mandat, Gehör schenkt. Siebold muss Edo verlassen und nach Europa zurückkehren. Sein Versuch, den sich abzeichnenden Antagonismus zwischen Japan und den Westmächten zu entschärfen, ist gescheitert.  Siebold, der genau weiß was geschieht, kann das Rad des Schicksals nicht anhalten. Er stirbt 1866 in München. Die unheilvolle Kette von Ereignissen, die mit dem Diebstahl der Landkarten begann, endet erst 1945 in Hiroshima. 

 

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Siebolds Leben in Bildern

Siebolds Vermächtnis und Gedenkstätten

Siebold hat enorm umfangreiche Sammlungen von Natur- und Kulturgütern aus Japan mitgebracht, lebende und präparierte Pflanzen und Tiere, Kunstwerke und Alltagsgegenstände. Vor allem die lebenden Pflanzen verbreiteten sich schnell in den Gärten von ganz Europa.

 

Viele Pflanzen sind auch von ihm oder nach ihm benannt. Der International Plant Names Index IPNI zählt 1044 Namensgebungen durch Siebold.

 

Siebolds Hauptwerk ist Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan und dessen Neben- und Schutzländern, jezo mit den südlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu- Inseln, das 1832 bis 1854 in fünf großen, farbigen Tafelbänden erschien. 

 

Die Flora japonica und die Fauna japonica sind ebenfalls aufwändig gestaltete Tafelbände, die als Ergänzung zum Nippon-Archiv, das ethnographisch ausgerichtet ist, die Pflanzen- und Tierwelt Japans beschreiben.

 

Der Philipp-Franz-von-Siebold-Preis für japanische Wissenschaftler wurde 1978 von Walter Scheel anlässlich eines Staatsbesuchs in Japan gestiftet. Er wird jährlich vergeben, überreicht vom Bundespräsidenten und ist mit 50.000 Euro dotiert.

 

Siebold Museum – Würzburg

http://siebold-museum.byseum.de/de/home

 

Siebold Memorial Museum – Nagasaki, Japan

http://www.city.nagasaki.lg.jp/kanko/820000/828000/p023328.html

 

Siebold Huis – Leiden, Niederlande

http://www.sieboldhuis.org/en/